14. Juni 2020

Der Aufbruch;

Drei Monate sitzen wir nun schon fest, dank Corona Virus: für Mineraliensammler eine Ewigkeit, jetzt wo die Zeit des Aufbruchs ist, wo der viele Schnee des letzten Winters langsam die Hänge und Gräben freigibt und die Strahlersaison beginnt. Dazu das außergewöhnlich schöne und beständige Wetter, zum aus der Haut fahren. Lediglich die letzten paar Wochen gab es etwas mehr Freiheit. War auch die erste Zeit noch auszuhalten, so wurde es zunehmend langweiliger. Die Verbindung per Telefon ersetzt kein Fachgespräch, keine persönliche Meinungs-oder Erfahrungsaustausch, langsam schien alles einzuschlafen. Den Ausfall der Börsen bedauere ich weniger, außer unserer eigenen, da diese für unsere Belange zunehmend kontraproduktiv sind. Dabei sind gerade die persönlichen Kontakte und die der Vereine untereinander wichtig, da ein nachlassendes Interesse an unserem schönen Hobby, insbesonders bei der Jugend zu verzeichnen ist.

So hatte eben jeder, gezwungendermaßen, Zeit sich mit seinen Steinen zu beschäftigen und um aufzuräumen, was vielfach hinausgeschoben wurde, aus Zeitmangel meistens. Jedenfalls war das bei mir so in den ersten Jahren, aus familiären und beruflichen Gründen. Und so hat sich mit der Zeit ein Berg von Steigen angesammelt, die mich auch die nächste Zeit noch beschäftigen werden. Nun sind bei dieser Tätigkeit einige Dinge zum Vorschein gekommen die ich längst vergessen habe und die mich nun zum eigentlichen Thema zurückführen, nämlich dorthin wo alles begann;

Es waren die letzten Jahre vor 1960, wo ich mich fast ausschließlich mit Klettern in den Dolomiten beschäftigte. In dieser Zeit gab es in Bozen schon eine kleine Gruppe von Sammlern, die aber weitgehend unter sich blieb und wo nicht viel nach außen drang. Jahre später erst, nach meinem Militärdienst 1962, kam ich durch Zufall und auf Umwegen in Kontakt mit dieser Gruppe, was den Beginn meiner Sammelleidenschaft werden sollte. Es war letztlich diese Gruppe, die sich um den Franziskaner Pater Viktor W. scharte, die den Grundstein zum rasanten Anstieg der Sammler führen sollte. Und als im selben Jahr (1964 ?) ein internationales Bergbaumeeting auf der Mendel stattfand, wurde in Bozen daraufhin zum ersten Mal eine Mineralienausstellung gezeigt, was allenthalben viel Aufregung und Begeisterung zur Folge hatte. Waren es doch die ersten Mineralien die die meisten von uns erstmalig zu Gesicht bekommen haben Es folgten Vorträge von P.Viktor ,wie wir ihn alle nannten, er war für die damalige Zeit der einzige Ansprechpartner und die Schar seiner Anhänger wuchs ständig. Für die meisten von uns begann das große Abenteuer ohne jede Fachkenntnis, es galt möglichst viel von den Älteren herauszubekommen, die allerdings nicht gerade mitteilungsfreudig waren und es gab viel Geheimnistuerei. So war man auf sich selbst angewiesen denn es gab weder Literatur noch sonstige Hinweise, nur wer im Besitz eines der legendären Gasserbücher kam war im Vorteil. Und plötzlich entdeckte jeder das Mineraliensammeln, die Leute strömten in die Berge, allein oder in Gruppen, neue Freundschaften entstanden, auch gelegentliche Rivalitäten kamen vor. Es gab noch keine behördlichen Verbote, die jedoch nicht lange auf sich warten ließen. Es waren turbulente Jahre, täglich hörte man von neuen Funden die es auszuspähen galt und so manche Pflanzerei wurde jahrelang übelgenommen.

Dazu zum Schluss noch eine derartige Anekdote:

Meine ersten Sammelpartner waren Luis und Karl, (ich nenne nur die Vornamen) Einmal versuchten wir in den alten Bergwerksstollen in Terlan unser Glück. In einem dieser nassen Löcher stießen wir auf der Sohle auf schwarzen Calcit, in mehreren Schichten und fast bis zur Unkenntlichkeit dreckig. Also erst mal mitnehmen und saubermachen. Meine Freunde versuchten es mit Waschmittel und so gereinigt leuchteten die Stücke unter dar UV Lampe herrlich reinweiß. Das sprach sich schnell herum und mein Schwager und sein Kumpan waren die ersten Opfer, die darauf hereinfielen, sie räumten die besagte Fundstelle gründlich aus, doch der erwartete Erfolg blieb aus. Die Wahrheit kam schnell ans Licht und wenn auch unbeabsichtigt, die Folge war eine langjährliche Funkstille zwischen meinem Schwager und mir. Das ist nur eine von vielen ähnlichen Geschichten, über die wir heute herzhaft lachen können.

Wie es weiterging erfahrt Ihr im nächsten Beitrag.

„Glück Auf“

Georg Unterrainer

Im nachstehenden Bild die Pioniere der ersten Stunde, von links nach rechts;

Gasser, Abarth, Plunger, Wachtler (BZ), Holzknecht, Verant, Heufler, Chiusole, Pater Viktor Welponer.

5. April 2020
„Wie schnell die Zeit vergeht“
Gerade erst (Herbst 2019) habe ich mein 80stes Lebensjahr vollendet und nun ist schon wieder ein Viertel des neuen Jahres um. Dabei habe ich mir so viel vorgenommen für den Winter. Nicht dass ich untätig war, ich habe immerhin in den hunderten Schachtel, in denen meine Micros schlummern Ordnung geschaffen, nach Fundort und ungefähr dem Fundjahr, was nicht unwichtig ist. Und ich habe mich vorbereitet auf den Sommer und was ich alles machen will,(möchte). Da ich von jeher mich zu den kleinen Mineralien und dem Bergbau hingezogen fühlte, sind für mich mehr denn je alte Halden und dergleichen interessant, jetzt im Alter sowieso, wo ich größere Bergtouren eher bleiben lasse. Und so habe ich anhand der Literatur und meinen alten Funden abgewogen, was da oder dort noch zu erwarten ist.
Und nun ist plötzlich alles andern, einfach so, Corona sei Dank. Selten schönes Wetter, trocken und warm und die Tage werden länger, und nun ist Schluss mit lustig. Tja, da muss man sich was einfallen lassen. Da habe ich nun endlich Gelegenheit in den alten, kaum noch beachteten Kisten zu stöbern, die ich in den 60ziger Jahren irgendwo in einem Winkel abgestellt habe. Das kommt nicht von ungefähr, war doch diese Zeit die Schwierigste meines Lebens. Heirat, Kinder, Hausbau und schließlich Krankheit und Tod meiner Frau. Wie ich trotz Allem doch noch hie und wieder zum Sammeln gekommen bin ist mir heute selbst ein Rätsel. Allerdings war für die Steine selbst kaum Zeit und so landete der Inhalt des Rucksacks in einer Kiste und dieselbe in einen Winkel. Und nun habe ich Zeit, in Ruhe alles durch zu stöbern und ich staunte nicht schlecht, was für Schätze da noch zum Vorschein kamen.
Und damit komme ich auch schon zum Thema „Erinnerungen“ Spontan fällt mir eine meiner Sammeltouren ein, die einmal mehr bestätigen, dass Anfänger oft unerwartet die besten Funde machen. Es waren die ersten Jahre wo ich noch unbeschwert meinem Hobby nachgehen konnte, es war 1965, im Mai wahrscheinlich, das Wetter nicht besonders einladend, aber wir waren verabredet, mein Schwager und sein Bekannter, alle mit Kind und Kegel wie es gang und gäbe war, damals. Unser Ziel war die Frommer Lahn und bereits in Seis fing es an zu nieseln, da war guter Rat teuer. Also kehrten wir erst mal beim Gasthof „Gschtatsch“ ein und beratschlagten, wie wir aus der Situation das Beste machen könnten. Schließlich erlaubten und unsere Frauen großzügig für ein paar Stunden zur wenig entfernten Frommer Lahn zu fahren, indes sie mit den Kindern im Gasthof warten wollten. Dort angekommen war ich als Erster fündig geworden. Unter einem großen Block war ein Nest mit Calcit und Apophylit und als wir mit vereinten Kräften den gefährlichen Stein darüber in den Abgrund befördert hatten, konnte ich aus dem bröseligen Zeug eine schöne Stufe bergen mit eine 5cm großen Analcim und rosa Apophylit und Calcit. Da war ans Aufhören nicht zu denken und jeder versuchte nun sein Glück. Zu unserem Leidwesen fing es leicht an zu schneien und unser schlechtes Gewissen war bei unseren Frauen. (Es gab ja noch kein Handy) Karl, der Freund meines Schwagers, von Beruf Zahnarzt, hatte inzwischen auf einem großen Knott eine kleine Ader entdeckt, die er mit seinem Hämmerchen bearbeitete. Da ich meinen Fund bereits im Rucksack verstaut hatte und ich zum Aufbruch drängte, es schneite mittlerweile ganz ordentlich, war ich ungeduldig und versuchte zu helfen. Als Karl nun einen kleinen Spalt aufgemeißelt hatte war er nicht mehr davon abzubringen weiterzuarbeiten, obwohl es nicht vielversprechend aussah. Mir aber schwante Böses, dachte ich an die Familie im Gasthof, da inzwischen Stunden vergangen waren. Um nun die Arbeit von Karl zu beschleunigen erbot ich mich mit der Brechstange nachzuhelfen. Mit einem kräftigen Ruck löste sich eine Platte Gestein von ca 70+50cm wohl um die 150 kg schwer, auf der Unterseite wie auf den Felsen mit Apophylit und fastgroßen Anacimen bedeckt. Was dann geschah dürfte ich eigentlich gar nicht erzählen, aber da es wohl verjährt sein dürfte, kann man auch nichts mehr daran ändern. In Anbetracht der Situation, dem Zeitdruck und dem fiesem Wetter, vom Gewicht des Blocks ganz zu schweigen, haben wir die Anacime fein säuberlich von der Platte wie vom Block abgelöst und redlich geteilt, zuhause letztlich, da höchste Zeit zum Aufbruch gegeben war. Das Gewitter im Gasthof nahmen wir im Hinblick auf unseren Fund in Kauf, wenngleich uns im Nachhinein das Gewissen plagte, erst recht wenn ich heute daran denke.
Und so bergen die Erinnerungen Schönes und weniger Schönes, was kein Grund ist nicht mehr daran zu denken oder es zu erzählen. Seither ist viel Zeit vergangen und ab einem bestimmten Alter ist das HEUTE wichtiger als die Zukunft, denn „ MORGEN ist HEUTE schon GESTERN“. ( Gelesen auf einen Wahlplakat in Wien)
„Glück Auf“
Georg Unterrainer

Liebe Mineraliensammler und Sammlerinnen,

ich gehe davon aus, dass mittlerweile einige von Euch das Vorwort in der Rubrik „Chronik“ auf unserer Internet Plattform gelesen haben. Nun, manche werden daran kein Interesse haben, wie dem auch sei, jedem das Seine. Immerhin sind viele Sammler bereits im mittleren Lebensalter angelangt und haben das Eine oder Andere von den Älteren gehört oder miterlebt. Und die Jungen, die Anfänger von heute sind eingeladen nachzulesen, wie es vor sechzig Jahren mit unseren Hobby angefangen hat, wo es noch kein Internet gab, kaum Literatur geschweige denn kompetente Ansprechpartner.

Wie sehr das Sprichwort im Vorspann zutreffend ist habe ich kürzlich bei einem Besuch eines meiner alten Sammlerfreunde, der im Pflegeheim im Rollstuhl gefesselt ist, selbst erfahren. Das Alter bringt es mit sich, dass nicht jeder das Glück hat von schweren Krankheiten verschont zu werden. Deshalb liegt es an uns, die alte Freundschaft wenigsten mit einem Besuch aufrecht zu erhalten.

Und so war ich bei meinem Besuch nach der üblichen Begrüßung bereits in Erklärungsnot, denn nach dem „wie geht’s usw.“ war aus dem schweigsamen Mann nicht viel zu erfahren. Und so begann ich zu erzählen, ob er noch weiß wie wir nachts ins Sarntal gefahren sind, bei heftigem Unwetter, um nach der letzten Schicht ins Bergwerk einzuschleichen. Und wie wir unser altes Schlupfloch zugenagelt vorfanden und unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Da erhellten sich seine Züge und nach und nach wurde er gesprächiger und ich war selbst überrascht wie vieles auch aus meiner Erinnerung entschwunden war. Und so folgerten wir aus unserem Gespräch, dass wir trotz der damaligen bescheidenen Möglichkeiten eine schöne Zeit hatten, an die uns die gesammelten Schätze in unseren Vitrinen täglich erinnern.

Im Gespräch mit anderen Sammlern oder Bekannten werde ich oft gefragt, wie ich zu diesem Hobby gekommen bin. Diese Frage ist wohl schon öfter jemandem gestellt worden, denn irgendwann oder irgendwas war bei Jedem ein Anlass ausschlaggebend für den Beginn zum Sammeln. Meine Erinnerung dazu führen mich zurück ins ferne Vorschulalter. Damals nach dem 2. Weltkrieg war das Bleibergwerk in Terlan am Rauchenbüchl wieder in Betrieb und das Abraummaterial wurde zum Einschottern der Wege verwendet. Darunter waren auch viele kleine Bleiglanzstückchen, die in der Sonne glänzten und die wir Kinder fleißig einsammelten. Vielleicht war das bei mir die Initialzündung. Später in meiner Lehrzeit als Tischler kam am Bau mit steigendem Wohlstand allerlei bunter Marmor in Verwendung und ich legte mir stets ein paar Bruchstücke beiseite. Aber erst einige Jahre darauf bescherte mit der Zufall den Anlass zu meiner Sammelleidenschaft.

„Glück Auf“

Georg Unterrainer

Zurück